Ostfriesen Zeitung vom 05-08-2004

Auricher Kraft reicht nur 35 Minuten

Von Günther Czempiel

Handball OHV verliert Freundschaftsspiel gegen THW Kiel nach 20:24-Pausenrückstand mit 34:49


Kai Behrend zeigte am Kreis eine starke Leistung. Er erzielte sieben Treffer für die Hausherren.

Aurich - So viele Tore wie noch nie warfen die Handballer von Zweitliga-Aufsteiger OHV Aurich gestern Abend im Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten THW Kiel. Der ostfriesische Klub kassierte allerdings auch so viele Gegentreffer wie noch nie gegen diesen Gegner. Der amtierende Deutsche Vizemeister siegte am Ende vor 650 schwitzenden Zuschauern in der IGS-Sporthalle mit 49:34 (24:20). „Schade, wir hätten die Zebras gerne etwas länger geärgert“, meinte OHV-Coach Wolfgang Ladwig nach der Partie, die mit einer halben Stunde Verspätung begann.

Die Kraft der Auricher langte 35 Minuten. Dann gingen beim Heimteam Konzentration und spielerische Linie mehr und mehr verloren. Der OHV verzettelte sich in Einzelaktionen und musste die ohne einen Linkshänder angetretenen Kieler davonziehen lassen. Der zur Pause eingewechselte THW-Keeper Mattias Andersson zeigte seine Klasse, parierte gleich einen Siebenmeter von Daniel Ahmann und musste den Ball bis zur 48. Minute nur fünf Mal aus dem eigenen Netz holen.

Dem OHV-Spiel schmeckte es überhaupt nicht, dass der Kieler Coach Noka Serdarusic nach den ersten 30 Minuten Adrian Wagner mit der Aufgabe betraute, den Auricher Rückraumspieler Jan-Philip Willgerodt früh zu attackieren. „Da fehlen uns noch die Mittel, um reagieren zu können“, meinte Ladwig.

Nach 27 Sekunden lagen die Hausherren bereits mit 0:2 hinten. Martin Boquist erzielte nach elf Sekunden das Führungstor, der flinke Adrian Wagner schloss einen Konter nach einem Willgerodt-Fehlversuch mit dem 2:0 ab.

Doch die Auricher fingen sich in der unterhaltsamen Partie, hielten gegen und setzten Kreisläufer Kai Behrend immer wieder gekonnt in Szene. Der erzielte fünf seiner sieben Treffer im ersten Spielabschnitt und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Ostfriesen nach 14 Minuten auf einmal 11:8 führten. Das wiederum stachelte den Ehrgeiz der Kieler an. „Meiner Mannschaft steckt ein hartes Sprinttraining in den Knochen“, nahm Serdarusic sein Team in Schutz.

Je länger die Partie dauerte, desto häufiger musste das Spielfeld gewischt werden. Frank Carstens und der Kieler Frode Hagen rutschten auf Schweißflecken ihrer Mitspieler aus, humpelten vom Feld und mussten behandelt werden. „Die Halle ist ab“, äußerte sich Ladwig dazu. Der Kieler Rechtsaußen Johan Petterson knickte bereits beim Training um und kam deshalb in Aurich nicht zum Einsatz.

Stärkster Kieler Feldspieler war Adrian Wagner. Der flinke Außen schloss zahlreiche Konter erfolgreich ab und brachte es auf insgesamt 17 Treffer. Auch Frode Hagen (Nummer 8) und Stefan Lövgren (Nummer 10) wussten beim Bundesligisten zu gefallen.

 

Ostfriesische Nachrichten vom 05.08.2004

Handball: THW Kiel nach der Pause aggressiver
OHV Aurich verliert Testspiel gegen Bundesligisten mit 34:49 Toren

gaw/köp Aurich. Vor zwei Jahren verlor der OHV Aurich, damals noch Regionalligist, mit 24:38 Toren gegen den THW Kiel. Gestern Abend hatten die Auricher bereits zur Halbzeit 20 Tore erzielt und unterlagen nur knapp 34:49.

Vor rund 650 Zuschauern entwickelte sich gestern Abend bei Saunatemperaturen in der IGS-Halle ein temporeiches, munteres Spiel. Die Angriffsreihen dominierten. Kreisläufer Kai Berend und Rückraumspieler Frank Carstens waren die auffälligsten Spieler auf Seiten des OHV. Bei Kiel lief Adrian Wagner viele gefährliche Gegenstöße. Das Umschalten bei den Gastgebern klappte nicht gut. Wagner brachte es bis zur Pause auf sieben Tore.

Nach dem Seitenwechsel brachen die Auricher konditionell ein. Zugang Jan-Philipp Willgerodt machte noch den stärksten Eindruck, während die Gäste Tor um Tor davonzogen.

Ein ausführlicher Bericht über das Spiel folgt in der Freitagausgabe. Im Vorbericht zu dieser Partie hatte sich eine falsche Zeitangabe eingeschlichen. Wir bitten, dieses Versehen zu entschuldigen.

Ostfriesische Nachrichten vom 06.08.2004

Handball: Wischer in Höchstform
Rutschiger Hallenboden machten den Aurichern und Kielern zu schaffen

OHV-Spieler Frank Carstens beim Torwurf. Erst in der zweiten Hälfte spielte der Bundesligist THV Kiel beim 49:34-Erfolg gegen den OHV Aurich seine konditionelle Überlegenheit aus. Foto: Banik

köp Aurich. Es war eine schweißtreibende Angelegenheit in der IGS-Halle. Sowohl die Spieler vom THW Kiel als auch die Handballer vom OHV Aurich hatten mit den tropischen Temperaturen zu kämpfen. Immer wieder rutschten die Akteure auf dem rutschigen Hallenboden aus. Die beiden Auricher Kai Behrend und Frank Carstens erwischte es schlimmer: sie zogen sich jeweils Bänderdehnungen im Knöchel zu.

Dabei ist den Wischern kein Vorwurf zu machen. In der Schlussphase der Partie musste die Begegnung fast nach jeder Angriffsaktion unterbrochen werden. Teilweise waren drei Wischer gleichzeitig im Einsatz. Mit riesigen Strandtüchern kämpften sie gegen die nassen Schweißflecken auf dem Boden an. Sogar die Bundesliga-Spieler vom THW kamen zu Hilfe und unterstützten die überforderten Helfer.

Auf die Frage, was gegen dieses Problem unternommen werden könnte, entgegnete OHV-Trainer Wolfgang Ladwig: „Abreißen! Die Halle hat seinen Dienst getan und dabei sollte man es belassen.“

Für derartige Verhältnisse haben die rund 650 Zuschauer in den ersten dreißig Minuten dennoch eine ordentliche Partie gesehen. Beide Teams warfen Tor um Tor und wussten im Angriff zu überzeugen. Auf Auricher Seite machte gerade Kai Behrend ein starkes Spiel. Immer wieder wurde er mustergültig aus dem Rückraum bedient und erzielte so insgesamt sieben Treffer.

Auf die schwache Abwehrleistung seiner Mannschaft reagierte der Kieler Erfolgstrainer Noka Serdarusic erstmals in der 13. Spielminute. Zu diesem Zeitpunkt tauschte er nämlich seinen Torhüter Daniel Sommerfeld gegen Dennis Klockmann aus. Bis zur Halbzeitpause wurde es allerdings nicht besser. Den Gastgeber n gelang en bis zum Halbzeitpfiff 20 Treffer. Für Serdarusic waren es zu viele. Nach der Pause brachte er seinen etatmäßigen Torwart Mathias Andersson ins Spiel. Mit diesem Wechsel gingen die Kieler in der Abwehr wesentlich aggressiver zu Werke. Andersson wehrte einen Siebenmeter von Daniel Ahmann ab und war fortan der Sicherheitsfaktor in der Hintermannschaft des THW.

Der OHV tat sich ab der 35. Minute wesentlich schwerer im Angriff. Einfache Tore aus Tempogegenstößen waren nun Mangelware und der THW zeigte seinerseits, wie effektiver Handball auszusehen hat. Immer wieder schickten sie ihren Linksaußen Adrian Wagner nach abgewehrten Würfen der Auricher auf die Reise. Diesem konnten die Schützlinge von Ladwig nicht folgen und somit war Wagner am Ende mit 13 Treffern Haupttorschütze der Gäste.

Einzig der Auricher Neuzugang Jan-Philip Willgerodt hielt seine Mannschaft im Spiel. Er übernahm in der Schlussphase viel Verantwortung aus dem Rückraum und brachte es nach sechzig Minuten auf sieben Tore. „Jan-Philip hat heute gezeigt, dass er bei uns ein Team-Leader wird“, war auch Wolfgang Ladwig mit der Leistung von Willgerodt zufrieden.

Am Ende hieß es 49:34 für den THW Kiel. Die Zuschauer in der IGS-Halle waren dennoch angetan von der Leistung beider Mannschaften und spendenten einen aufmunternden Applaus für die erschöpften Spieler.

Insgesamt freute sich Ladwig darüber, dass sein Team dem Bundesligisten über 35 Minuten Paroli geboten hat. „Wir haben das Spiel bis Anfang der zweiten Halbzeit offen gehalten. Anschließend fehlte uns einfach die Kraft“, bilanzierte er.

Da die Auricher sich bisher vor allem im konditionellen Bereich auf die kommende Zweitliga-Saison vorbereitet haben, fehlt es laut Meinung von Ladwig noch an den taktischen Feinheiten. „Es war zu sehen, dass Daniel Ahmann und Peter Vozar noch nicht richtig im Spiel sind. Das wird zum Auftakt aber ganz anders aussehen“, ist sich Ladwig sicher.

Der schwedische Neuzugang Anders Henriksson fehlte am Mittwochabend noch im Aufgebot der Auricher. Seine Spielgenehmigung lag noch nicht vor. „Im Angriff wurde Henriksson von Kai Behrend hervorragend vertreten. In der Deckung fehlte er uns aber an allen Ecken und Enden“, trauerte Ladwig dem Fehlen seines neuen Kreisläufers hinterher.

Wolfgang Ladwig hatte es übrigens besser als die Aktiven, die auf dem Spielfeld schwitzten. Er verfolgte die Partie nämlich mit hochgekrempelter Hose und in Badelatschen.

OHV Aurich - THW Kiel 34:49 (20:24)

OHV Aurich: Feshchanka, Winkler; Arends (4), Carstens (4), Willgerodt (7/1), Ahmann (2/1), Warnecke (2), Behrends (2), Toma, Wehmeyer (2), Budny, Vozar (4), Behrend (7), Krause.

THW Kiel: Sommerfeld, Klockmann, Andersson; Hagen (8), Schindler (1), Lövgren (7/1), Boquist (4), Wagner (13/3), Ahlm (6), Preiß (10).

Zeitstrafen: OHV 1 / THW Kiel 2.

Zuschauer: 650.

Torfolge: 0:2 (1.), 4:3 (4.), 7:7 (10.), 11:8 (13.), 12:12 (18.), 15:16 (22.), 18:19 (25.), 20:24 (30.); 23:32 (42.), 25:37 (48.), 29:39 (51.), 32:41 (54.), 32:47 (59.), 34:49 (60.).