
Rund 600 Zuschauer durften über insgesamt zehn Tore nach 120 Minuten jubeln, ehe TiMoNo in einem dramatischen Elfmeterschießen die Meisterschaft inklusive Aufstieg feiern konnte. Einen bewegenden Abschied gab es nach Abpfiff.
So ein Finale hat es noch nicht gegeben. Die beiden Oberliga-Staffelsieger Eintracht Braunschweig und SV TiMoNo haben sich im Endspiel um die AOK Niedersachsenmeisterschaft der Frauen einen spektakulären Schlagabtausch geliefert. Nach 120 torreichen Minuten und einem Nervenkrimi in der Lotterie durften sich die Ostfriesinnen über einen 8:7-Erfolg nach Elfmeterschießen freuen und neben der ersten Niedersachsenmeisterschaft auch über den Aufstieg in die Regionalliga Nord freuen.
Dabei sahen die rund 600 Zuschauer im August-Wenzel-Stadion in Barsinghausen eine Achterbahnfahrt sondergleichen. Die Gäste aus Ostfriesland erarbeiteten sich gleich zu Beginn eine erste große Möglichkeit durch Kapitänin Lea Begemann, die nach einem Zuspiel von der rechten Seite frei vor Löwen-Keeperin Schäfer auftauchte, allerdings an der Torhüterin scheiterte (2.). Auf der anderen Seite meldete sich die Eintracht aus Braunschweig nach etwas mehr als zehn Minuten das erste Mal gefährlich an. Lyn Meyer ließ im Strafraum eine Verteidigerin gekonnt aussteigen, scheiterte aus kurzer Entfernung jedoch an TiMoNo-Keeperin Anna-Maria Tews (11.).
Mitte des ersten Durchgangs folgte der nächste Aufreger, als die DFB- und FIFA-Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein in ihrem letzten Pflichtspiel nach einem Handspiel auf Elfmeter für Braunschweig entschied. Celina Klebe schnappte sich die Kugel, doch ihr Schuss war zu unplatziert, sodass Tews den Elfmeter sicher entschärfen konnte (22.). Dies schien TiMoNo einen zusätzlichen Schub zu verleihen, denn nur kurze Zeit später tauchte Teresa Sonntag nach einem schönen Spielzug frei vor Schäfer auf und konnte die Torhüterin im zweiten Anlauf überwinden (29.).
Unmittelbar vor der Pause schlug der SV erneut eiskalt zu. Dieses Mal wurde Alina Murra perfekt freigespielt, sodass sie allein vor Schäfer nur noch einschieben musste und TiMoNo damit eine nicht unverdiente 2:0-Halbzeitführung bescherte (44.).
Comeback, Platzverweis und Verlängerung
Der zweite Abschnitt war keine fünf Minuten alt, da meldete sich Braunschweig zurück. Nach einer Ecke bugsierte Meyer aus dem Getümmel heraus den Ball unhaltbar unter die Latte und sorgte für lautstarken Jubel bei den mitgereisten Braunschweiger Fans (50.). Und nur sieben Minuten später durften die Löwen-Anhänger erneut feiern, als Cindy Kaufmann einen Freistoß aus rund 18 Metern perfekt über die Mauer ins Tor beförderte. Zuvor hatte TiMoNos Marlit Eden nach einer Notbremse die Rote Karte gesehen (56.).
In Überzahl übernahm Braunschweig zunächst die Spielkontrolle und drehte nur zehn Minuten später das Spiel vollends. Bei einem Konter wurde Kaufmann frei vor dem Tor bedient, sodass die Offensivspielerin nur noch einschieben musste und mit ihrem zweiten Treffer den Halbzeitrückstand in eine 3:2-Führung drehte (68.). Wer nun allerdings dachte, dass sich die Ostfriesinnen mit einer Spielerin weniger geschlagen geben würden, der hatte die Rechnung ohne Anneke Kampen gemacht. Nur drei Minuten nach dem erstmaligen Rückstand für TiMoNo wurde Kampen mit einem hohen Ball in die Spitze geschickt. Die Einwechselspielerin umkurvte Torhüterin Schäfer und bugsierte den Ball zum 3:3 über die Linie (71.).
Beide Mannschaften lieferten sich ein intensives Spiel mit zahlreichen Zweikämpfen im Mittelfeld, ohne dass sich ein Team in der regulären Spielzeit einen Vorteil verschaffen konnte. Folgerichtig ging es in die Verlängerung. Diese war keine drei Minuten angepfiffen, da hatte TiMoNo schon wieder zugeschlagen. Tomke Hasnik stieg nach einer Ecke am höchsten und beförderte den Ball zum vielumjubelten 4:3 in die Maschen (93.).
Doch noch vor der Halbzeitpause der Verlängerung lieferte Braunschweig die perfekte Antwort. Nachdem TiMoNo den Ball nicht entscheidend genug aus der Gefahrenzone bringen konnte, drehte sich Meyer einmal um ihre Gegenspielerin und erzielte mit einem flachen Schuss ins linke untere Eck den erneuten Ausgleich (101.). Die Anstrengungen der vorangegangenen 105 Minuten waren beiden Mannschaften anzusehen, zahlreiche kleinere Unterbrechungen aufgrund von Krämpfen oder kleinen Verletzungen sorgten für weniger Spielfluss.
Zwei späte Tore und ein Nervenkrimi vom Punkt
Als alles schon auf ein Elfmeterschießen hinauszulaufen schien, sorgte die eingewechselte Maya Andresen vier Minuten vor dem Ende für den nächsten Treffer, als sie am zweiten Pfosten nur noch den Fuß hinhalten musste (116.). TiMoNo schien nun stehend K.o., hatte jedoch noch einen letzten Pfeil im Köcher. Marie Moldenhauer kam in der Nachspielzeit nach einer unübersichtlichen Situation im Strafraum an den Ball und beförderter die Kugel mit letzter Kraft über die Linie 120.+4). 5:5 nach 120 atemberaubenden Minuten.
Damit musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Braunschweig begann, doch Leandra Kim Hampe-Michels scheiterte an Tews, die als erste Schützin für TiMoNo ihr Gegenüber Schäfer allerdings ebenso nicht überwinden konnte. Anschließend verwandelten sowohl Andresen und Gina Berger für die Eintracht sicher, während bei TiMoNo Fabia Feeken und Lina Wallbaum jeweils ausgleichen konnten. Nachdem Antonia Farr knapp am Tor vorbei geschossen hatte, brachte Moldenhauer die Ostfriesinnen erstmals vom Punkt in Führung. Der Druck lag nun bei Charlotte Brühler, die treffen musste. Doch Tews ahnte die richtige Ecke und bescherte TiMoNo nach einen spektakulären 8:7-Erfolg die erste AOK Niedersachsenmeisterschaft und zugleich den Aufstieg in die Regionalliga Nord. Entsprechend losgelöst war Trainer Jan-Henrik Koppelkamm nach Abpfiff. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bin jetzt seit sieben Jahren Trainer dieser Mannschaft und verfolge seitdem das Ziel, in die Regionalliga aufzusteigen. Dass wir es auf diese Weise geschafft haben, ist nicht in Worte zu fassen. So ein Spiel hatte ich in meiner bisherigen Trainerlaufbahn noch nicht. Davon werden wir noch in zehn Jahren sprechen. Ich bin stolz auf die Mädels, weil sie sich für eine unfassbare Saison belohnt haben. Jetzt wird einfach nur gefeiert.“
Das Spiel in der Statistik
Eintracht Braunschweig – SV TiMoNo 7:8 n.E. (0:2, 3:3, 4:4)
Braunschweig: Nele-Sophie Schäfer – Gina Berger,Lyn Meyer, Cindy Kaufmann (93. Charlotte Brühler), Jill-Lina Lange (46. Maya Andresen), Jolie Jelain Just, Imke-Dorothea Wiedenroth (86. Marie Gollmer), Antonia Farr, Celina Klebe (46. Lea Eggers), Anna Fries (75. Leandra Kim Hampe-Michels), Neele Wunsch. Trainer: Simon Wintgen.
TiMoNo: Anna-Maria Tews – Lisa Schlegel,Marlit Eden, Teresa Sonntag (111. Ronja Sofie Kolbeck), Lea Begemann (64. Lena Garvels), Fabia Feeken, Tomke Hasnik (106. Marie Moldenhauer), Larissa Jetses (69. Hannah Schrapper), Fenna Borde, Lina Wallbaum, Alina Murra (64. Anneke Kampen). Trainer: Jan-Henrik Koppelkamm.
Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (TSG Bad Harzburg). Assistenten: Jasmin Matysiak (SV Fortuna Bösdorf), Irina Wehr (VSV Rössing).
Gelbe Karten: Jolie Jelain Just (90.+3), Marie Gollmer (103.) –TomkeHasnik (41.).
Rote Karte: Marit Eden (56.).
Tore: 0:1 Teresa Sonntag (29.), 0:2 Alina Murra (44.), 1:2 Lyn Meyer (50.), 2:2 Jolie Jelain Just (57.), 3:2 Cindy Kaufmann (68.), 3:3 Anneke Kampen (71.), 3:4 Tomke Hasnik (93.), 4:4 Lyn Meyer (101.), 5:4 Maya Andresen (116.), 5:5 Marie Moldenhauer (120.+4).
Elfmeterschießen: Twes pariert gegenHampe-Michels, Schäfer pariert gegen Tews, 1:0 Andresen, 1:1 Feeken, 2:1 Berger, 2:2 Wallbaum, Farr verschießt, 2:3 Moldenhauer, Tews pariert gegen Brühler.
Zuschauer: 600
